Madagaskar & mehr
Shownotes
In dieser Folge des SPICK-Wissens-Podcasts reisen wir ins bedrohte Naturparadies Madagaskar, trainieren auf einem künstlichen Mond in Köln für zukünftige Weltraummissionen und begleiten die neunjährige Azita, die mit ihrer Familie als Nomadin durch das iranische Zagros-Gebirge zieht. Drei Geschichten über Natur, Forschung und besondere Lebenswelten.
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00:00:04: Heute schauen wir uns ausgewähltes Aus der Spickausgabe Fünfhundertzehn
00:00:08: etwas genauer an.
00:00:10: Wir reisen nach Madagaskar, wo einzigartige Tiere und Pflanzen um ihren Lebensraum kämpfen besuchen einen künstlichen Mond mitten in Köln Und begleiten die neunjährigen Erziter Die mit ihrer Familie und fast dreihundert Tieren durch das Zarcos-Gebirge im Iran zieht.
00:00:28: Drei Kapitel drei völlig unterschiedliche Welten Und jede davon zeigt uns, wie Menschen, Tiere und Natur mit ganz besonderen Herausforderungen umgehen.
00:00:44: Stell dir vor es wird dunkel im Regenwald.
00:00:47: Zwischen den Blättern raschelt es.
00:00:49: Ein kleines Tier mit riesigen Augen klettert vorsichtig einen Baum hinauf.
00:01:00: Sein dicker Schwanz ist übrigens nicht nur Dekoration.
00:01:03: Darin speichert er Fett, von dem er in der Trockenzeit zähren kann.
00:01:07: Doch plötzlich leuchten aus dem Dunkel zwei riesige gelbe Augen.
00:01:12: Dazu gehören lange dünne Finger die hinter der Baumrinde nach Larven angeln Sieht ein bisschen aus wie ein Wesen aus einem Fantasyfilm.
00:01:21: Tatsächlich ist es ein Ei-Ei auch Fingertier genannt.
00:01:25: und jetzt kommt das Besondere Fettschwanz-Marquise und EiEis leben in freier Natur nur an einem einzigen Ort auf der Erde, auf Madagaskar.
00:01:34: Genau wie rund einhundert weitere Lemurenarten!
00:01:38: Madagaska ist nämlich eine Art Schatzkammer der Natur.
00:01:42: Rund eighty-fünf Prozent der dortigen Arten sind endemisch – das bedeutet es gibt sie nirgendwo sonst auf der Welt.
00:01:49: Pantherchameleons, Catas, Sifakas und viele andere Tiere haben hier ihre Heimat.
00:01:56: Forschende entdecken sogar immer noch neue Arten.
00:01:59: Aber warum ausgerechnet Madagaskar?
00:02:02: Dafür müssen wir ziemlich weit zurückreisen, in eine Zeit, in der noch Dinosaurier über die Erde stapften.
00:02:09: Damals gehörte Madagaska zum riesigen Urkontinent Gondwana.
00:02:14: Später trennte sich die Insel zuerst von Afrika und dann von Indien.
00:02:19: Seit ungefähr neunzig Millionen Jahren ist sie isoliert.
00:02:22: Tiere und Pflanzen konnten sich dadurch völlig unabhängig entwickeln.
00:02:27: Madagaskar ist deshalb fast wie ein eigener kleiner Kontinent!
00:02:32: Und entsprechend verrückt sieht die Natur teilweise aus.
00:02:35: Im Süden wachsen Baobabs, die aussehen als hätte jemand einen Baum verkehrt herum in den Boden gesteckt.
00:02:42: In ihren dicken Stämmen können sie bis zu fünfhundert Liter Wasserspeichern.
00:02:47: So überstehen Sie lange Trockenzeiten.
00:02:50: Doch dieses Naturparadies ist im Gefahr.
00:02:53: Viele Menschen auf Madagaskar leben in großer Armut, um Nahrung anzubauen werden Wälder gerodet und Felder angelegt.
00:03:01: Ist der Boden nach einigen Jahren ausgelaut, werden neue Waldstücke abgebrannt.
00:03:06: Inzwischen sind bereits neunzig Prozent des ursprünglichen Waldes der Insel verschwunden Und mit den Bäumen verlieren auch viele seltene Tiere ihren Lebensraum.
00:03:16: Dazu kommt der Klimawandel.
00:03:18: Obwohl die Menschen auf Madagaskar selbst nur wenig CO-Zwei verursachen, trifft er sie besonders stark.
00:03:24: Dürren werden heftiger, Ernten fallen aus und Menschen müssen nach anderen Möglichkeiten suchen Geld zu verdienen.
00:03:31: Manche arbeiten beispielsweise in Minen, in denen Glimmer abgebaut wird – ein Mineral dessen Glitzern unter anderem in Nagelack steckt.
00:03:40: Sogar Kinder arbeiten dort teilweise unter schlechten Bedingungen
00:03:46: Aber es gibt auch gute Nachrichten.
00:03:49: Immer mehr Menschen versuchen die einzigartige Natur Madagaskas zu schützen.
00:03:54: Ehemalige Lemurenjäger arbeiten heute als Touristenführer.
00:03:58: Sanfter Tourismus kann dafür sorgen, dass ein lebendiger Wald mehr Geld einbringt als ein abgeholster.
00:04:04: Und sogar die Schweiz spielt dabei eine kleine Rolle.
00:04:07: Im Masoala-Regenwald sammelten Schweizer Forschende Samen seltener Rosen und Ebenholzbäume.
00:04:14: Die Samen wurden in einer Baumschule des Zürcher Zoos aufgezogen und die jungen Bäume anschließend wieder in Madagasker ausgepflanzt.
00:04:22: Madagaska ist also tatsächlich ein Paradies mit Tieren und Pflanzen, die es sonst nirgendwo auf unserem Planeten gibt.
00:04:30: aber dieses Paradies bleibt nur erhalten wenn gleichzeitig die Natur geschützt wird und die Menschen Möglichkeiten bekommen davon zu leben Damit auch in Zukunft, nachts im Regenwald von Madagaskar zwei riesige gelbe Ei-Ei-Augen aus dem Blätterdickicht leuchten.
00:04:51: Stell dir vor du läufst über den Mond unter deinen Stiefeln knirscht grauer Staub überall liegen Gesteinsbrocken Du steckst in einem dicken Raumanzug auf deinem Rücken zischt das Atemgerät und um dich herum herrscht die Dunkelheit des Weltalls Und dann entdeckst du plötzlich etwas, das auf dem Mond wirklich niemand erwarten würde.
00:05:19: Die Erklärung ist ziemlich einfach – wir sind gar nicht auf dem Mund sondern in Köln!
00:05:25: Dort steht Luna eine riesige Halle, in der die Oberfläche des Mondes nachgebaut wurde.
00:05:31: Sie ist knapp so groß wie drei Tennisplätze und ein gemeinsames Projekt der europäischen Weltraumorganisation ESA, des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR.
00:05:43: Und Luna sieht nicht nur aus wie der Mond – die Bedingungen sollen dort möglichst ähnlich sein!
00:05:48: Das Gestein stammt zwar aus einem Steinbruch bei Bonn, ähnelt aber echtem Mondstaub ziemlich stark.
00:05:54: Astronautinnen und Astronauten können hier trainieren, Geräte ausprobieren und sich auf zukünftige Mondlandungen vorbereiten.
00:06:02: Aber was genau übt man eigentlich für einen Mondflug?
00:06:06: Zum Beispiel wie man Bodenproben nimmt oder wie man mehrere Meter tief in den Mondboden bohrt?
00:06:12: In der Lunahalle kann der Boden sogar geneigt oder an bestimmten Stellen tief gefroren werden Und dann gibt es auch noch künstliche Staubstürme.
00:06:22: In speziellen Testkammern werden Raumanzüge und Geräte mit simuliertem Mondstaub bombardiert.
00:06:28: So können Forschende herausfinden, ob die Technik auch unter schwierigen Bedingungen funktioniert.
00:06:34: Mit dabei sind außerdem ziemlich ungewöhnliche Helfer.
00:06:38: zum Beispiel ein Roboter mit vier Beinen und jeder Menge Sensoren Sieht aus wie ein Hund!
00:06:44: Nur Gassi gehen muss vermutlich niemand mit ihm.
00:06:47: In Köln wird getestet, wie sich dieser Roboter auf der Mondoberfläche bewegen könnte.
00:06:52: Und vor allem – wie gut Mensch und Maschine zusammenarbeiten!
00:06:57: Auch Rover werden ausprobiert die eines Tages beispielsweise einen Krater auf dem Mond erkunden könnten.
00:07:04: Doch auf ein Mondflug muss nicht nur die Technik vorbereitet werden.
00:07:08: auch für die Menschen selbst ist so eine Reise eine ziemliche Herausforderung.
00:07:12: Stell dir vor, du bist monatelang weit weg von zu Hause.
00:07:16: Du lebst auf engstem Raum mit immer denselben Menschen zusammen.
00:07:20: Du kannst nicht einfach die Tür öffnen und sagen ich gehe mal kurz
00:07:23: raus.".
00:07:25: Auf dem Mond wäre das eher eine schlechte Idee.
00:07:28: Genau diese Situation wird ebenfalls in Köln untersucht.
00:07:32: Im Forschungszentrum Envy Hub verbringen Versuchspersonen exakt einhundert Tage in Isolation.
00:07:38: Forschende beobachten, wie sie mit der Enge und dem ständigen Zusammensein klarkommen.
00:07:43: Der einzige Ort an den Sie sich wirklich einmal allein zurückziehen können ist Ihre Schlafkapsel!
00:07:50: Denn wer eines Tages zum Mond oder sogar noch weiter zu Mars fliegt muss nicht nur körperlich fit sein Die Crew muss auch damit umgehen können sehr lange zusammenzuleben ohne einfach nach Hause zu können.
00:08:03: Und genau deshalb is die Mondhalle in Köln so praktisch.
00:08:06: Hier können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Dinge ausprobieren, Fehler machen und Probleme lösen.
00:08:13: Ohne dass jemand dafür erst hunderttausende Kilometer durchs All fliegen muss!
00:08:18: Und falls wirklich etwas schief geht gibt es ja immer noch den Notausgang.
00:08:22: Der nächste große Schritt auf dem Mond beginnt also vielleicht gar nicht im Weltall sondern mitten in Deutschland Auf Mondstaub aus einem Steinbruch bei Bonn zusammen mit Raumanzügen, Rovan und einem vierbeinigen Roboter Damit bei der nächsten echten Mondlandung möglichst wenig dem Zufall überlassen wird.
00:08:45: Stell dir vor, du wachst morgens auf und weißt schon heute wird dein Zuhause wieder komplett zusammengepackt.
00:08:53: Das Zelt die Kleidung das Geschirr das Essen alles kommt auf Esel Und dann geht es los zu Fuß oder auf dem Rücken eines Tieres Überschmale Pfade mitten durch ein gewaltiges Gebirge.
00:09:07: Für die neunjährige Azita ist das kein abenteuer Urlaub, es ist ihr ganz normaler Alltag!
00:09:31: Viermal im Jahr zieht die Familie weiter.
00:09:33: Im Frühling geht es mit Ziegen und Schafen von der Winterweide im Tal hinauf, zusammen in den Bergen.
00:09:40: Im Herbst führt der Weg wieder zurück.
00:09:42: Und auch dazwischen wechseln sie ihren Lagerplatz.
00:09:45: Azitas Familie besitzt etwa zweihundertfünfzig Ziegen- und dreißig Schafe.
00:09:52: Dazu kommen ein Maultier und drei Esel.
00:09:55: Die tragen auf den Wanderung alles was die Familie braucht.
00:09:59: Zwei Hunde passen auf die Herde auf und schlagen Alarm, wenn Wölfe oder Beeren zu nahe kommen.
00:10:04: Und Asita?
00:10:06: Die ist mittendrin!
00:10:07: Sie hilft ihrem Vater und ihren Brüdern dabei, die Herden zusammenzuhalten.
00:10:12: Von ihrem älteren Bruder Mehran hat sie sogar die Kommandos gelernt.
00:10:17: Heja bedeutet weiter... ...und mit titititi ruft sie ein Tier zurück.
00:10:24: Wenn eine Ziege in die falsche Richtung läuft, wirft Asita einen Stein in ihre Nähe damit sie wieder zur Herde zurückkehrt.
00:10:31: Und immer häufiger möchte sie auch beim Melken helfen!
00:10:35: Jetzt lass mich mal ich kann das schon", sagt sie dann zu ihrer Mutter.
00:10:39: Besonders liebt Asita die neu geborenen Lämmer.
00:10:43: Sie nimmt die kleinen Tiere in den Arm knuddelt sie und flüstert ihnen zu Ich liebe dich, ich pass auf dich auf.
00:10:50: Ihr Lieblingstier ist allerdings das Maultier Denn auf ihm darf sie reiten.
00:10:54: Und das schon seit sie sechs Jahre alt ist!
00:10:57: Wie sieht so ein Wandertag eigentlich aus?
00:11:00: Während der großen Wanderungen, die Koch genannt werden beginnt der Tag schon im Morgengrauen.
00:11:06: Die Familie macht Feuer, kocht Wasser für Tee, frühstückt und wäscht das Geschirr.
00:11:11: Dann wird alles zusammengepackt und auf die Esel geladen.
00:11:15: Zwischen zehnundzwanzig Kilometer legt die Familie an einem Tag zurück.
00:11:20: Mittags gibt es meist Brot und Ziegenjoghurt.
00:11:23: Abends wird an einem neuen Ort wieder ein Lager errichtet, manchmal sogar ganz ohne Zelt nur unter freiem Himmel und mit einem Feuer zum Wärmen.
00:11:33: Bleibt bei so viel Wandern überhaupt Zeit zu spielen?
00:11:36: Klar!
00:11:37: Asitas Lieblingsspiel mit ihren Freundinnen heißt Haftsang also Siebensteine.
00:11:43: Dabei wirft man ein Stein in die Luft und muss blitzschnell einen weiteren vom Boden aufheben, bevor man den ersten wieder auffängt.
00:11:51: Klingt einfach?
00:11:52: Probier's mal!
00:11:53: Und wie funktioniert die Schule wenn man ständig unterwegs ist?
00:11:57: Im Winter bleibt Azitas Familie sechs Monate im Tal – in der Nähe des Dorfs Lali.
00:12:02: Dann kommt ein Lehrer vorbei und unterrichtet sie.
00:12:08: Ihr Lieblingsfach ist Fasi, die persische Sprache.
00:12:11: Denn sie liest und schreibt gerne!
00:12:13: Obwohl Asita ihr Leben als Nomadin liebt hat sie für ihre Zukunft einen ganz anderen Traum Sie möchte Lehrerin werden – und einmal in einer Stadt wohnen.
00:12:24: Das Stadtleben kennt sie bisher nur aus den Erzählungen ihrer älteren Brüder.
00:12:30: Und es gibt noch einen ziemlich überzeugenden Grund für die Stadt Kuchen?
00:12:35: Den gibt's bei Asita zu Hause nämlich nicht.
00:12:38: Außerdem wünscht sie sich ein Haus und etwas mehr Privatsphäre.
00:12:42: Also einen Ort, an dem Sie auch einmal ganz für sich sein kann!
00:12:46: Assitas Alltag ist ganz anders als der von vielen Kindern bei uns – fast dreihundert Tiere ständig neue Lagerprätze lange Wege durchs Gebirge- und Schule nur während eines Teils des Jahres Und trotzdem gibt es vieles das wahrscheinlich ziemlich vertraut klingt.
00:13:03: Tiere knuddeln mit Freundinnen spielen lesen schreiben und davon träumen, was man später einmal werden möchte.
00:13:10: So das war's für heute!
00:13:12: Drei Kapitel drei ganz unterschiedliche Themen Und doch haben sie etwas gemeinsam.
00:13:18: Sie zeigen wie außergewöhnlich unsere Welt ist und wie viel es zu entdecken gibt.
00:13:24: Vielleicht hast du beim höheren Jahr auch Lust bekommen die das Spickheft-Fünfhundertzehn noch einmal etwas genauer anzuschauen.
00:13:31: Ob Madagaskas einzigartige Tier-und Pflanzenwelt Die dringend Schutz braucht Astronautinnen und Astronauten, die mitten in Köln für zukünftige Mondmissionen trainieren oder Asita, die mit ihrer Familie und ihren Tieren durch das Sargorsk-Gebirge zieht.
00:13:46: Wie bei all begegnen uns Menschen, die sich Herausforderungen stellen und ihren eigenen Weg gehen.
00:13:52: Danke dass du dabei warst – und vielleicht hörst du beim nächsten Mal wieder rein!
00:13:57: Beim Spick Wissens Podcast.
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